Rheinhessen Wochenblatt

24.10.20 | Lehrermangel

Präsenzunterricht hat oberste Priorität

Lehrer-Gewerkschaft GEW fordert vom Land Rheinland-Pfalz mehr Vertretungskräfte

von Torben Schröder

Eine ausreichende Zahl an Lehrkräften ist Grundvoraussetzung für guten Unterricht.Die Lehrergewerkschaft GEW misst der Gewährleistung von Präsenzunterricht auch in Corona-Zeiten hohe Priorität bei. Das in Rheinland-Pfalz verfügbare Personal hält der Verband aktuell für ausreichend, Defizite sieht man diesbezüglich jedoch bei den Förderschulen. Foto: Sascha Kopp

Bessere Verdienstmöglichkeiten locken rheinland-pfälzische Lehrer in andere Bundesländer. Der Beruf könnte, was Unterrichtsstunden, Gruppengrößen und Unterstützung angeht, attraktiver sein. Ältere Kollegen sollten entlastet, Schulleiter stärker vom Unterrichtsalltag entbunden werden. Oberste Priorität hat die Sicherstellung des Präsenzunterrichts. So lauten, zusammengefasst, die Kritikpunkte und Korrekturvorschläge von Sylvia Sund zum Thema Lehrermangel in Rheinland-Pfalz.

Mangel an Förderschulen

Die Stellvertretende Landesvorsitzende der Lehrer-Gewerkschaft GEW unterrichtet selbst an einer Förderschule. „Dort gibt es seit vielen Jahren einen leichten Lehrkräftemangel“, berichtet sie. Es falle immer schwerer, die Stellen zu besetzen. Genauso wie an den Berufsbildenden Schulen. In der Statistik bildet sich das noch nicht unbedingt ab, aber aus der Nähe betrachtet drohten Probleme. „Und das zeigt sich inzwischen auch im Grundschulbereich“, sagt Sund. Die Forderung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft lautet: Grundschullehrer sollen die gleiche Besoldung erhalten wie ihre verbeamteten Kollegen an den weiterführenden Schulen. Dass die Verdienste jenseits der Landesgrenzen mitunter besser sind, sehe man vor allem im Raum Mainz, wo Abwanderungsbewegungen zu verzeichnen seien. „Mittlerweile hat jedes Bundesland eine eigene Beamtenbesoldung, und Rheinland-Pfalz liegt eher im unteren Mittelfeld. Für Leute mit hoher Mobilität können andere Bundesländer attraktiver werden“, sagt Sund. Keine Probleme gebe es in Sachen Lehrerversorgung an den Gymnasien. „Oft sind mehr Bewerber als Stellen da“, sagt Sund. Das bringt mit sich, dass immer wieder Lehrer nach Weiterbildungen und Wechsel-Prüfungen einen anderen Schultyp aufsuchen. An den Integrierten Gesamtschulen gibt es daher immer mehr Gymnasiallehrer. Auch an den Realschulen Plus, die allerdings zusehends unter Druck geraten, ist ebenfalls ein Überschuss an Lehrern festzustellen. Aber bleibt das so?

Sund wünscht sich attraktivere Arbeitsplätze. Hohe Stundendeputate, immer weiter steigende Anforderungen in der Unterrichtsgestaltung, zu große Klassen, auch die Unterstützung bei der seitens der Politik verlangten Inklusion – Baustellen gibt es nach Ansicht der Gewerkschaft genug. Sund spricht von multiprofessionellen Teams unter Einbeziehung von Schulsozialarbeitern, damit die Lehrer gerade an den Schulen, „an denen es schwierig wird, nicht die alleinige Verantwortung haben“. Und: „Wir brauchen mehr Vertretungskräfte, um eine Unterrichtsversorgung von mehr als 100 Prozent sicherzustellen.“ Nur so ließen sich Fehlstunden vermeiden. 52 Teilschließungen und drei vollständige Schließungen von Schulen habe es vor den Herbstferien in Rheinland-Pfalz wegen Corona gegeben. Insgesamt rund 100 infizierte Schüler und Lehrer bei mehr als einer halben Million Personen – als Infektionsherde sind die Schulen bislang nicht in Erscheinung getreten. „Wir sehen die dringende Notwendigkeit, die Unterrichtsversorgung sicherzustellen“, sagt Sund, „mit Präsenzunterricht, wo immer es geht.“

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