Rheinhessen Wochenblatt

Im Einklang mit der Natur

Von der Ausbildung bis zum Studium: Vielfältige Berufsmöglichkeiten rund um den Wald

von Marleen Ilchmann

Mehr als 30 Prozent der Fläche Deutschlands sind mit Wald bedeckt. Er ist nicht nur ein wichtiger Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen, sondern liefert auch den wertvollen Rohstoff Holz. Damit das in Zukunft so bleibt, muss der Wald gründlich und nachhaltig gepflegt und bewirtschaftet werden. Früher meist reine Männerdomänen, steigt in diesem Umfeld der Frauenanteil in den letzten Jahren immer mehr. Wir geben einen Überblick zu ökologischen Ausbildungsmöglichkeiten mit Perspektive.

Das Beobachten der Tiere auf dem Ansitz gehört zu den Aufgaben der Revierjäger. Foto: Markus Hibbeler/mag

(mag). Arbeiten, wo andere Erholung suchen: Darum entscheiden sich viele für die Ausbildung zum Forstwirt. Forstwirte kümmern sich um die Pflege und Bewirtschaftung der Wälder. Bei der Holzernte fällen sie Bäume und entasten die Stämme, teilen das Holz nach Länge und Qualität ein und transportieren es per Seilschlepper. Forstwirte sammeln auch Samen von Waldbäumen und züchten Setzlinge. Ebenso kümmern sie sich um Biotope, Moore und Gewässer, legen Wald- und Forstwege an oder bauen Sitzbänke für Wanderer auf.

In der dreijährigen Ausbildung geht es auch darum, den Umgang mit den Werkzeugen und technischen Hilfsmitteln zu lernen – denn die sind mit viel Risiko verbunden: Bei der Arbeit am Stamm passieren die meisten Unfälle. Forstwirte arbeiten daher in Schutzkleidung und lernen, wie die Baumarten auf das Ansägen reagieren. Ruhe und Besonnenheit sind hier wichtig, es wird eher Wert auf persönliche Kompetenzen wie Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit gelegt. Meist reiche der Hauptschulabschluss, meint Maurice Strunk vom Deutschen Forstunternehmer-Verband (DFUV). Wesentlicher sei „eine gewisse Liebe zum praktischen Arbeiten in der Natur“ – was den Dienst bei nahezu jedem Wetter sowie einen sehr frühen Start in den Tag einschließt.

Forstwirte können bei staatlichen, kommunalen und privaten Forstbetrieben angestellt sein, ebenso in Nationalparkverwaltungen oder im Landschaftsbau. Die Ausbildungsinhalte unterscheiden sich zwar kaum, das Gehalt aber schon. Im ersten Lehrjahr liegt der Lohn in der freien Wirtschaft je nach Bundesland durchschnittlich bei 580 bis 750 Euro brutto im Monat, in der öffentlichen Hand nach Tarif rund 1.000 Euro. „Wer jetzt eine Ausbildung zum Forstwirt macht, hat ziemlich gute Chancen“, sagt Ulrich Dohle, Vorsitzender des Bundes Deutscher Forstleute (BDF): Fachpersonal wird gebraucht wegen der teils großflächigen Waldschäden der letzten Jahre, verursacht durch Borkenkäfer, Sturmtiefs und Dürresommer.

Ab in die Krone: Baumpfleger sind mehr als Kletterprofis

(mag). Beruflich auf Bäume klettern? Das gibt es: Für Baumpfleger geht es oft hoch hinein in die Baumkrone, entweder per Hebebühne oder mit dem Kletterseil. „Bäume brauchen keine Pflege. Wir brauchen sie nur wegen der Menschen“, erklärt Wulf Schneider, Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung. Er kümmert sich um die Optik und um die Verkehrssicherheit. Die Durchgangshöhe für Fußgängerwege beträgt meist 2,5 Meter, hineinragende Äste müssen entfernt werden. „Ziel ist es, möglichst viele Bäume zu erhalten“, sagt Schneider. 

Eine einheitliche Ausbildung gibt es allerdings nicht: Viele sind Quereinsteiger aus grünen Berufen wie Gartenbau oder Forstbetrieb. Meist beginnt die Ausbildung mit dem Seilklettertechnik-Kurs A (SKT-A-Kurs). Mit Helm, Seil und Klettergerät ausgestattet, wird kontrolliert, ob der Baum stand- und die Äste bruchsicher sind. Wenn ja, dient ein Wurfseil in der höchsten stabilen Gabel als Fixierung für das Kletterseil. Beim Einsatz hoch oben erfolgt die Kontrolle auf Schäden oder nistende Tiere. Ist eine normale Fällung nicht möglich, sind Baumkletterer gefragt, um den Baum von oben herab in Stücken abzutragen. Der Fokus im SKT-A-Kurs liegt auf der Klettertechnik, im SKT-B-Kurs geht es vor allem um die Motorsägentechnik. Die Baumkunde wird dabei nur am Rand behandelt – laut Schneider könne man damit noch nicht eigenständig entscheiden, ob Äste entfernt oder gar ein ganzer Baum gefällt werden müssen. Für ihn sind Lehrgänge wie „European Tree Worker“ (ETW) und „European Tree Technician“ (ETT) Voraussetzung für verantwortungsvolle Baumpflege. Fundiertes Fachwissen und sorgfältige Ausführung nach dem Regelwerk zur Baumpflege seien die wichtigste Grundlage. Der Verdienst für einen Tag Baumpflege sollte daher etwa 350 bis 400_Euro betragen – mit einem Risiko-Aufschlag für zusätzliche Leistungen wie eine Fällung. Teamarbeit und ein großes Sicherheitsbewusstsein sind im Beruf unerlässlich.

Baumpfleger kümmern sich um die Gesundheit und Sicherheit von Bäumen. Foto: Zacharie Scheurer/mag

Naturliebhaber: Revierjäger wahren das Gleichgewicht

(mag). Bei Sonnenaufgang auf dem Ansitz Tiere beobachten: Solche Momente gehören zu den schönsten der Jäger. Sie achten in Jagdrevieren auf Gesundheit und Artenvielfalt des Wildbestandes, versorgen Tiere im Winter mit Futter und 

regulieren die Populationen. 90 bis 95 Prozent der Aufgaben von Jägern hätten jedoch nichts mit dem Erlegen von Tieren zu tun, erklärt Revieroberjäger und Ausbilder Christian Symens. Es sei vielmehr ein Beruf mit viel Verantwortung, bestätigt Berufsschullehrer Jens Hepper. Überraschend sei für einige Auszubildende, dass es auch um Pflanzenökologie geht. Zu den Aufgaben von Jägern gehört es, die geschossenen Tiere zu zerlegen und das Wildbret für den Verkauf vorzubereiten. Einem Tier das Leben zu nehmen, ist ein großer Schritt – dessen sollte man sich bewusst sein. In Berufsschulen für angehende Revierjäger absolvieren die Auszubildenden das erste der drei Lehrjahre, bevor es in die Betriebe geht. Wer den Beruf ausüben will, müsse bereit sein, sich auch unangenehmen Dingen zu stellen, betont Hepper. Bei Wildunfällen etwa seien Jäger zur Nachsuche verpflichtet, um das verletzte Wild zu finden – auch, wenn sie dafür bei Minusgraden durch einen Fluss waten müssen.

Jäger werden auf dem Arbeitsmarkt gesucht, erklärt Hepper. „Wildtiere bereiten immer mehr Probleme, sowohl in der Land- und Forstwirtschaft als auch in den Städten“, bestätigt Hermann Wolff, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Berufsjäger. Daher gehört der Umgang mit Großraubwild auch zum Beruf: „Das Thema Wolf und Luchs wird uns nicht mehr loslassen“, betont Wolff. Dabei gehe es auch um Aufklärungsarbeit: Wild- und Waldpädagogik ist hier das Stichwort. Mit einer 40-Stunden-Woche sollten Jäger nicht rechnen, denn bei Notfällen müssen sie stets zur Stelle sein. Die Bezahlung liegt bei Berufsanfängern etwa zwischen 2.600 und 2.800 Euro brutto monatlich.

Inbegriff der Nachhaltigkeit: Förster zwischen Wald und Büro

(mag). Jeden Tag durch den Wald streifen und Tiere beobachten: Vom Förster haben viele eine romantische Vorstellung. Zum Teil treffen diese Klischees auch zu, doch es gibt auch viel Büroarbeit. Fünf Fachhochschulen und vier Universitäten in Deutschland bieten Studiengänge im Forstbereich an.

Nach dem sechssemestrigen Bachelorstudium müssen angehende Revierförster je nach Bundesland einen einjährigen, berufsvorbereitenden Anwärterdienst oder ein zweijähriges Traineeship absolvieren. Dann können sie als Revierförster im gehobenen Forstdienst arbeiten. Hier gilt es, Waldarbeiter anzuleiten, Jagd und Holzernte zu organisieren und Waldwege zu pflegen. Neben den Naturwissenschaften spielen im Studium auch Ingenieurs-, Gesellschafts-, und Wirtschaftswissenschaften eine Rolle, sagt Prof. Achim Dohrenbusch von der Universität Göttingen. 

Die Zahl der Studieninteressenten sei in den vergangenen Jahren gestiegen – einen Grund dafür sieht er in dem erhöhten Umweltbewusstsein der jüngeren Generation.

Der Begriff Nachhaltigkeit habe seinen Ursprung in der Forstwirtschaft. Von den Bachelorabsolventen hätten etwa 60 Prozent den klassischen Revierdienst als Ziel, schätzt Jens Düring vom Bund Deutscher Forstleute. Hier liegt das Gehalt nach der Ausbildung bei rund 2800 Euro brutto.

Das ist aber nur eine von vielen Möglichkeiten. Berufsperspektiven bieten auch Naturschutzbehörden und die holzbearbeitende und -verarbeitende Industrie. Die Berufsaussichten haben sich nach vielen Stellenkürzungen vor rund 30 Jahren verbessert: „Es gibt einen enormen Bedarf, der sogar noch steigen wird“, sagt Wolf Ebeling, Geschäftsführer des Deutschen Forstwirtschaftsrates.

Zum Reinschnuppern: Freiwillige erhalten viele Einblicke

Im Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) erhalten Interessierte Einblick in verschiedene nachhaltige Berufsfelder, etwa im Naturschutz, der ökologischen Landwirtschaft, der Arbeit mit Tieren, der Umweltbildung oder in der Umweltkommunikation und -information. Junge Leute zwischen etwa 15 bis 26 Jahren können sich dort meist für zwölf Monate verpflichten und vielfältig engagieren.

Das geht uns alle an

Spätestens seit der Corona-Pandemie ist das Thema Gesundheit in der Öffentlichkeit omnipräsent. Wie die Gesundheit der Wälder in Deutschland, Europa und der ganzen Welt mit der Gesundheit der Menschen zusammenhängt, ist weniger bekannt. Das will der Arbeitskreis Redaktion ändern. In Kooperation mit dem WWF wird eine gemeinsame Kampagne zum Thema Wald unter dem Dach der BVDA-Kampagne „Das geht uns alle an“ gestartet.

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