VRM Wochenblätter

04.10.21 | Zukunft

„Lernen, um ,sie’ zu verbessern“

Eine 16 Jahre junge Frau blickt in die Zukunft: Mit Neugier, Skepsis und mit Klugheit

von Luna Heisel

 

 

 

Luna Heisel, 16 Jahre alte Gymnasiastin aus Mommenheim in Rheinhessen, war vom 5. bis 15. Juli Schülerpraktikantin dieses Wochenblatts am Redaktionsstandort Darmstadt. In Vor­bereitung dieser Sonderausgabe „Zukunft – mutig.machbar.menschlich“ entstand damals die Idee, dass sie als ­16-Jährige einmal formuliert, wie sie sich als Vertreterin der jungen Generation „die“  beziehungsweise „ihre“ Zukunft vorstellt und welche Anforderungen in Zukunft wohl auf sie und die Menschheit zukommen werden.

Foto: Bits and Splits – adobe stock

Ob man neugierig den Blick in die Zukunft wagen will oder lieber alles auf sich zukommen lassen möchte, ist abhängig von der eigenen Persönlichkeit. Klar ist aber, dass wir unsere Zukunft durchaus jetzt schon beeinflussen können, wenn vielleicht auch nur in Maßen. Denn alles, was in unserer Gegenwart, unserem Hier und Jetzt, geschieht, kann Auswirkungen haben auf das, was danach kommt. Besonders jetzt in Zeiten einer weltweiten Pandemie sind Veränderungen an der Tagesordnung. Veränderungen, die tiefe Einschnitte in unser Leben und somit auch in unsere Zukunft sein können.

Seltsam, in „Reallife“ zu kommunizieren

So wird vielleicht nicht nur Angst, sondern auch das Social Distancing eine lang anhaltende Nachwirkung des Corona-Zeitalters sein. Ein Wegbegleiter, den wir nicht mehr loswerden können. Durch die fortschreitende Digitalisierung, die uns ganz neue Möglichkeiten eröffnet hat, wird also vielleicht der zwischenmenschliche Kontakt (und zwar „in Präsenz“!) immer geringer. Menschen werden mehr und mehr zu Einzelgängern und Maschinen wie Computer und Handys unsere neuen besten Freunde. Gerade in den Lockdown-Phasen wurde mir bewusst, wie schnell wir Menschen uns an solche Veränderungen gewöhnen können. So fiel es mir in den Wochen des ersten Lockdowns noch deutlich schwerer, nicht in die Schule gehen zu können, meine Freunde nicht zu sehen und überhaupt Kontakt zur Außenwelt nur über das Internet zu haben, als zu späteren Lockdowns. Mit der Zeit haben meine Mitschüler und ich uns mit diesen neuen Umständen arrangiert, haben uns angepasst und fast schon vergessen, wie die Welt vorher war. Als wir wieder zur Schule gehen mussten, war das wie ein Wachrütteln aus einem gemütlichen Tiefschlaf. Plötzlich wieder mit Mitmenschen in „Reallife“ zu kommunizieren, fühlte sich anfangs schon etwas seltsam an. Wir hatten uns an dieses „Bequem-Sein“ gewöhnt, welches sich vielleicht auch zukünftig durchsetzen wird.

Die Zukunft trägt zwei Gesichter

Für mich, so geht es wahrscheinlich vielen, trägt die Zukunft zwei Gesichter. Das eine ist mutig und schaut vorfreudig und sprühend vor Hoffnung nach vorne, während das andere sich ängstlich an die Vergangenheit klammert und sich hinter der Gegenwart versteckt. Angst vor Neuem, Angst vor dem, was kommt. Schon jetzt sehen wir die Auswirkungen, die unser oft unbedachtes und verschwenderisches Verhalten auf die Welt hat. Eigentlich wissen wir, dass wir nicht zerstören und der Erde eine Pause gönnen sollten, und trotzdem halten sich viele Menschen doch lieber die Augen zu. Zukunft verändern – und zwar jetzt! Mit diesen Gedanken wird die Welt, gerade durch junge Menschen, in einer Zeit von „Fridays for Future“ und anderen, ähnlichen Aktionen immer mehr konfrontiert. Man will darauf aufmerksam machen, dass wir jetzt handeln müssen, um die Zukunft nachhaltig genießen zu können. Schließlich ist es eine Zukunft, die uns alle angeht.

Hat man mich früher im Kindergarten- und Grundschulalter gefragt, was ich später einmal werden wolle, so war mir die Antwort immer sofort klar: Schauspielerin! Während ich mit den Jahren wuchs, schrumpfte der Wunsch nach Glamour, Bühne und Berühmtheit immer weiter, bis er schließlich ganz verkümmert war. Fragt man mich heute, was meine Pläne für die Zukunft seien, sage ich meistens, dass ich erst einmal mein Abitur in der Tasche haben und danach weitersehen möchte. Im Laufe meines Lebens wurden die Abstände, mit denen ich in mein künftiges Leben blicke, immer kleiner. So kann ich mir momentan, wenn überhaupt, nur einen Plan erstellen und vorstellen für das, was unmittelbar bevorsteht oder höchstens ein paar Jahre entfernt liegt. In einer Welt, in der es scheinbar unendlich viele Möglichkeiten gibt und das Sprichwort „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ als möglich gilt, finde ich es schwer, sich vorher schon einordnen zu müssen.

Ehrlich gesagt, macht mir die Welt der Erwachsenen, die in Zukunft auch meine sein wird, ein wenig Angst. Man muss planen, organisieren, schauen, mit welchen Ressourcen und unter welchen Bedingungen man was umsetzen kann. Am eigenen Kindheitstraum festzuhalten und diesen auch zu verwirklichen, das schaffen nur die wenigsten, denn man weiß eben nicht, was die Zukunft bringt und wie sie einen verändern wird.

Was man allerdings jetzt schon weiß, ist, dass manche Dinge einen nie wirklich loslassen werden. Zum Beispiel der Tod einer geliebten Person, ein traumatisierendes Erlebnis oder auch eine schlimme Kindheit. Solche Dinge heften sich oft ein Leben lang an unsere Fersen und beeinträchtigen damit unsere Zukunft. Nichtsdestotrotz ebnet die Vergangenheit uns oft auch einen Weg nach vorne und lehrt uns, wie wir große Steine auf diesem einfacher wegrollen können. Für unsere Zukunft lernen, das ist möglich. Lernen, um sie zu verbessern.

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