VRM Wochenblätter

Nov 24, 2021 | Spielen

Das Spiel mit dem Schweinchen

Boule vereint Zielgenauigkeit und Lebensgefühl

Von Susanne Diehl

Gar nicht so einfach, die Kugel richtig zu platzieren, denkt sich Redakteurin Susanne Diehl und hat dennoch ihren Spaß. Fotorechte: Susanne Diehl

Wer kennt sie nicht, die bunten Kugeln aus Plastik, die man gerne mit in den Urlaub nimmt und damit am Strand „sein Können“ unter Beweis stellen will. So auch bei mir und meiner Familie, bis ich merkte, das ist nichts. Richtige Kugeln aus Metall müssen her! Oh weia, jetzt nahm das Dilemma seinen Lauf. Ich dachte, so schwer kann das doch nicht sein, einfach eine große Kugel in die Nähe einer kleineren zu werfen. Und wenn‘s ganz gut läuft, die kleine sogar zu berühren. Weit gefehlt beziehungsweise verfehlt! Zum einen sind diese Kugeln schwerer und eine gewisse Technik sollte man schon beherrschen. Außerdem gibt es auch hier, wie auch sonst im Leben, Regeln.
So entschied ich mich, (um nicht ganz so blöd auszusehen) von erfahrenen Boulern anleiten zu lassen. Ich vereinbarte einen Termin mit Thorsten Röhner und seinen Mitspielerinnen und Mitspielern, den Boulefreunden aus Fränkisch-Crumbach und dann konnte es losgehn. Die rund 30 Spielerinnen und Spieler im Alter zwischen 21 und 77 Jahren treffen sich (wenn das Wetter mitmacht) samstags um 13 Uhr an den beiden Spielbahnen in der Saroltastraße in Fränkisch-Crumbach, um Pétanque, so der korrekte Namen, zu spielen. Die Boulefreunde Fränkisch-Crumbach sind kein Verein und gehören keinem Club an, sie treffen sich, um einfach nur Spaß an diesem Spiel zu haben. Allerdings packt sie zweimal im Jahr schon der Ehrgeiz und sie veranstalten ein Frühjahrs- und ein Herbstturnier. Was nicht heißen soll, das an den restlichen Spieltagen keiner gewinnen möchte.
Mein erster Fehler war schon der Gedanke, dass jemand die kleine Zielkugel (cochonnet in deutsch als „Schweinchen“ bezeichnet) nimmt und dann alle anderen abwechselnd versuchen, dem „Schweinchen“ ganz nahe zu kommen. Nein, nein, nein! Zunächst wird gelost, wer die Zielkugel schmeißen darf. „Der Anwerfer“ sollte die „Wutz“ sechs bis zehn Meter weit werfen und danach beginnt der/die erste Spieler/Spielerin aus dieser Mannschaft, die erste Boulekugel anzulegen. Jede Mannschaft besteht aus einer bis drei Personen und spielt je nach Anzahl der Teammitglieder mit zwei oder drei Kugeln. Somit spielen zwei Mannschaften mit maximal je sechs Kugeln gegeneinander. Wenn alle Kugeln gespielt sind, werden die Punkte gezählt. Die Mannschaft, deren Kugeln dem Schweinchen am nächsten liegen, erhalten die Punkte. Das heißt, es können pro Durchgang sechs Punkte erreicht werden. Falls nicht klar erkannt werden kann, wer am nächsten an der Zielkugel liegt, wird selbstverständlich mit einer Schnur oder einem Maßband nachgemessen. Gewinner ist, wer zuerst 13 Punkte hat. Ein komplettes Spiel dauert in der Regel 30 bis 45 Minuten, kann aber auch kürzer oder länger ausfallen.

Beim Boule ist die Welt noch in Ordnung

Und was mich betrifft: Naja, ich sag‘s mal so, für das spielen am Strand reicht‘s wahrscheinlich. Aber dafür hätten‘s eigentlich auch die bunten Kugeln aus Plastik getan… Aber grundsätzlich kann ich sagen: Boule oder Pétanque ist nicht nur ein Freizeit-Kugel-Spiel, das irgendwann einmal von Frankreich-Urlaubern importiert wurde, sondern ein Lebensgefühl. Es hat Charme. Es bringt Menschen verschiedenen Alters zusammen, um gemeinsam zu spielen, Spaß zu haben und wenn‘s dann noch ein Gläschen Wein und vielleicht etwas leckeres zum Essen gibt, ist die Welt ziemlich in Ordnung. Mittlerweile entstehen in sehr vielen Städten und Gemeinden (häufig in Sportvereinen) Gruppen, die sich zum Boule spielen treffen. Wie zum Beispiel in Wersau, Böllstein, Niedernhausen, Brandau oder Reichelsheim, um nur einige zu nennen. Auch auf der Mathildenhöhe in Darmstadt werden seit vielen Jahren die Metallkugeln unter den Platanen geworfen.Wer die Sache professioneller angehen möchte hat zum Beispiel die Möglichkeit beim Club de Pétanque Dieburg oder dem Boule Club Tromm.

Manchmal muss das Maßband her, um den Gewinner zu bestimmen. Foto: Hans Bickelhaupt

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