VRM Wochenblätter

06. Apr 2022 | Gesellschaft

Gemeinsam geht vieles leichter 

Tierische Teams: Das Leben in Gruppen bietet höhere Überlebenschancen, hat aber auch Nachteile

Von Andrea Frueauff

Herde, Rudel, Rotte, Volk, Staat, Kolonie, Schwarm, Verband, Schule, Flug… – allein die Anzahl der Begriffe für das Zusammenleben von Tieren zeigt die Vielfalt ihrer Organisation. Die meisten Tiere leben in Gruppen, weil sie dadurch höhere Überlebenschancen haben. Gemeinsam stemmen sie sich gegen Angreifer, wärmen sich gegenseitig bei Kälte, helfen sich bei Körperpflege, Futtersuche und Aufzucht der Jungtiere, lernen voneinander oder wechseln sich beim Wacheschieben ab. Vielleicht können wir Menschen uns von der Tierwelt ja noch etwas abschauen. 

Wer die Wahl hat, hat die Qual: Im Schwarm sinkt die Wahrscheinlichkeit für jeden einzelnen Fisch, vom Hai gefressen zu werden.  Foto: Nikolai Sorokin/stock.adobe.com

Schutz vor Kälte und Feinden 

Viele Tiere suchen die Gesellschaft ihrer Artgenossen. Denn gemeinsam ist vieles leichter. So stehen Pinguine eng zusammen und schützen sie sich vor der Kälte in der Antarktis. Bei Beutetieren steht die Sicherheit gegenüber Feinden im Vordergrund. Je größer die Gnu-Herde, desto wahrscheinlicher, dass Löwe oder Krokodil ein anderes Tier erbeutet. Dieser Effekt schützt auch Pferde, die in einer Herde leben, vor Stechmücken und Bremsen. Denn in der Gruppe bekommt jedes einzelne Pferd weniger Stiche ab als in Einzelhaltung. Auch Fische oder Vögel schützt das Leben im Schwarm. Er sorgt für einen Verwirrungseffekt bei möglichen Angreifern. Ein Raubfisch tut sich schwer, einen einzelnen Fisch aus dem Schwarm heraus zu fangen, während ein einzelner Fisch etwas abseits des Schwarms leichte Beute für den Jäger ist.  

Wachablösung 

Viele Augen, Nasen und Ohren sehen, riechen und hören mehr. Außerdem können sich Tiere beim Aufpassen abwechseln. So bleibt für alle mehr Zeit zur Futtersuche, Nahrungsaufnahme und Körperpflege. Bei Erdmännchen zum Beispiel hält der eine Teil der Gruppe Wache, während der Rest Futter sucht. Kommt ein Feind, werden die Artgenossen durch Pfiffe gewarnt.  

Rangordnung bei Beutezug 

Auch kleine Gemeinschaften können zum Ziel führen und dem einzelnen Tier Vorteile bringen. Ein Rudel Wölfe kann in der Gruppe erfolgreicher Beute machen und auch größere Tiere überwältigen. Ein einzelner Wolf hätte bei einem Rothirsch dagegen kaum eine Chance. Dabei gilt im Rudel eine strenge Rangordnung. Erst diese ermöglicht den Jagderfolg, außerdem festigt sie den Zusammenhalt. 

Schön geht sicher anders. Dennoch sind Nacktmulle bewundernswerte Tiere. Sie sichern ihr Überleben unter der Erde in Gemeinschaften von bis zu 300 Tieren. Foto: Eric Isselée /stock.adobe.com

Faszinierende Nacktmulle 

Ein Paradebeispiel für die Vorteile des Zusammenlebens sind Nacktmulle. Fast taub, blind und haarlos, leben und arbeiten sie in Kolonien von bis zu 300 Tieren unter der Erde in den Savannen von Kenia. Als Ausnahme unter den Säugetieren kopieren sie den Lebensstil von Ameisen und Termiten. Sie bilden eine soziale Gemeinschaft unter der Leitung einer Königin, die sich als einziges Tier fortpflanzt. Aus ihren Nachkommen entwickeln sich je nach Alter Babysitter, Arbeiter und Soldaten, die der Königin ein Leben in Sicherheit und Komfort bieten.

Gemeinsame Futtersuche 

Um die wenigen Futterquellen im trockenen Boden zu erreichen, haben die Nacktmulle eine Strategie entwickelt. Sie breiten ihr Gangsystem über eine sehr große Fläche aus. Nacktmulle können nur überleben, wenn sie gemeinsam Futter suchen.

Im Boden ist es gleichmäßig warm, daher brauchen sie auch kein Fell. Wird es ihnen zu kalt, so buddeln sie neue Gänge nach oben näher zur Sonne. Nacktmulle meiden die Oberfläche, denn dort könnten Feinde lauern. 

Eigener Dialekt 

Die Mitglieder einer Kolonie sprechen sich untereinander je nach Situation mit unterschiedlichen Zirp- und Quietschtönen an. Jede Kolonie hat einen ganz eigenen Dialekt. So können Fremde und Freunde unterschieden werden. Unbekannte Nacktmulle in den eigenen Gängen werden üblicherweise rabiat bekämpft und häufig getötet. 

Keine Alterserscheinungen 

Nacktmulle empfinden kaum Schmerzen und werden steinalt – umgerechnet auf ein Menschenleben gut 800 Jahre. Ein altes Tier funktioniert genauso wie ein junges Tier und zeigt keinerlei Alterserscheinungen wie Herz-Kreislauf-Schwäche, Krebs oder Rheuma. 

Konkurrenz und Ansteckung 

Das Zusammenleben in Gruppen hat aber auch Nachteile. Denn wenn es um die Nahrungsaufnahme geht, sind die einzelnen Mitglieder Konkurrenten. Bei Raubtieren bekommt das ranghöchste Tier meist die besten Stücke, jedoch nicht immer ohne Streit. Ist für ein Rudel zu wenig Nahrung vorhanden, kann dies zur Teilung führen. Weitere Nachteile engen Zusammenlebens sind die Ansteckung mit Krankheiten oder die Übertragung von Parasiten. 

Wichtig: Kompromisse 

Um die optimale Gruppengröße zu finden, ist es also für die verschiedensten Tierarten wichtig, die Vor- und Nachteile abzuschätzen und Kompromisse einzugehen. Dabei spielen Lebensraumstruktur und Jahreszeiten eine große Rolle. Und je enger die Verwandtschaft einer Gruppe, desto lohnender für alle. Denn dann wird beim Überleben ein Großteil der eigenen Gene weitergegeben. 

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