VRM Wochenblätter

8. Apr 2022 | Gesellschaft

Gelebte Solidarität mit den Mitmenschen  

In ganz Deutschland ermöglichen Stiftungen soziale Projekte und gleichen gesellschaftliche Defizite aus

Von Alexander Weiß

In der Sporthalle des Krankenhauses wird gekämpft. Dort verteilen Frauen und Männer Handdrehschläge und Fußfeger, Hiebe und Tritte gegen den Boxsack. Das alles ist Therapie und soll die Heilung fördern. Die Parkinson-Tagesklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf untersucht damit die Wirkung von gezieltem Kickbox-Training auf Parkinson-Patienten.

Im Förderprogramm „Einsteigen – Aufsteigen!“ des Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds entwickeln die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter Anleitung persönliche und berufliche Perspektiven. Foto: Nola Bunke

Der Nutzen von Bewegung für die erkrankten Menschen ist erwiesen. Bisher wurde deshalb vor allem getanzt und Yoga betrieben, doch das mochten besonders Jugendliche nicht allzu sehr. Deshalb wird in Hamburg nun untersucht, ob auch Kickboxen eine Therapieoption darstellt. Eine derartige Forschung kostet natürlich Geld, das am besten schnell und unbürokratisch da sein sollte. Deshalb springt die Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung (HUS) mit Sitz in Frankfurt ein und unterstützt das Projekt Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf mit 8400 Euro.

toMOORow für die Zukunft

Nasse Moore tragen erheblich zum Klimaschutz bei. Sie nehmen nur drei Prozent der Landfläche der Welt ein, enthalten aber in ihren Torfen zweimal mehr Kohlenstoff als die gesamte Biomasse aller Wälder auf dem Planeten. Gleichzeitig bieten sie einzigartige Lebensräume für Pflanzen- und Tierarten. Um diese Räume zu erhalten, haben sich Menschen zusammengetan. So wie in der Michael Otto und der Succow Stiftung. Die Ideengeber gaben der Initiative den zukunftsweisenden Namen „toMOORow“. Bildungschancen sind in Deutschland immer noch ungleich verteilt. Und so bleibt manchmal nur die Wahl, Defizite durch privates Engagement zu bekämpfen.

 Ein Beispiel dafür ist das Förderprogramm „Einsteigen – Aufsteigen!“. Es wurde vom Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds entwickelt und fördert Kinder und Jugendliche mit sozialen und schulischen Problemen. An fünf weiterführenden Schulen in Köln und Umgebung werden seit Beginn des Projekts im Jahr 2007 jeweils bis zu 40 Kinder und Jugendliche in Kleingruppen sowie in individueller Einzelbetreuung pädagogisch versorgt. Die Teilnehmenden entwickeln dabei unter Anleitung persönliche und berufliche Perspektiven. Die Kölner Initiative verwaltet über 300 einzelne Fonds privater Herkunft. Aus den Erträgen dieses über Jahrhunderte gewachsenen Vermögens werden einige Förderprogramme finanziert.  

Handeln aus Bürgersinn  

So unterschiedlich die Ziele der vielen Stiftungen in Deutschland sind, sie alle haben gemeinsam, dass ihre Gründer und Akteure aus Bürgersinn handeln und von Solidaritätsgedanken geleitet werden. Sie widmen sich dort Aufgaben, wo der Staat nicht ist oder sein kann und erschließen die Mittel, um gesellschaftliche Defizite auszugleichen. Deutschland liegt mit fast 24000 Stiftungen an der Spitze Europas. Diese Zahl nennt der Bundesverband Deutscher Stiftungen in Berlin. Er vertritt die Interessen der Stiftungen gegenüber Öffentlichkeit, Politik und Verwaltung. Als das zentrale Kompetenzzentrum des deutschen Stiftungswesens bietet er seinen Mitgliedern, Stifterinnen und Stiftern, Medienschaffenden sowie Interessierten Informations- und Beratungsservice.  

Der Begriff der Stiftung ist hierzulande gesetzlich nicht definiert. Er dient vielmehr als Bezeichnung für eine Mehrzahl von Rechtsformen wie beispielsweise der rechtsfähigen Stiftung bürgerlichen Rechts, der Stiftungs-GmbH oder dem Stiftungsverein. Eine Stiftung ist in der Regel gekennzeichnet als Vermögensmasse, die einem bestimmten Zweck, insbesondere einem gemeinnützigen, auf Dauer gewidmet ist. In der Praxis gewinnen aber zunehmend auch andere Einnahmequellen wie Spenden oder Drittmittel für Stiftungen an Bedeutung. Wer eine Stiftung errichtet, trennt sich für immer von seinem eingesetzten Vermögen.  

Gemeinnützigkeit überwiegt  

Die gemeinnützige Stiftung legt dafür das ihr übertragene Kapital sicher und gewinnbringend an. Die erwirtschafteten Überschüsse werden für einen gemeinnützigen Zweck ausgegeben. Das gestiftete Vermögen selbst muss als Grundkapital der Stiftung erhalten bleiben. Denn eine Stiftung ist für die Dauer gedacht und kann in der Regel nicht aufgelöst werden. Prototyp der Stiftung ist die rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts. Sie ist eine juristische Person des Privatrechts, in der ein bestimmter Vermögensbestand rechtlich verselbständigt wird. Das Geld soll auf Dauer einen bestimmten Zweck nach dem Willen des Stifters erreichen.  

Wie der Bundesverband Deutscher Stiftungen mitteilt, sind zwei Drittel der Stifterinnen und Stifter in Deutschland Privatpersonen. Oft gehörten aber auch Organisationen wie Unternehmen oder Vereine dazu. Den Zweck bestimme der Stiftende. Dieses Ziel sei festgeschrieben und dürfe in der Regel nicht geändert werden.  Rund 92 Prozent der Stiftungen verfolgen rein gemeinnützige Zwecke. Wie in den genannten Beispielen haben sie ganz unterschiedliche Ziele. Dazu gehören weit mehr, als das Kickbox-Training gegen Parkinson, der Kampf gegen die Austrocknung der Moore oder Hilfe bei schulischen oder sozialen Problemen.  

Wann genau eine Stiftung gemeinnützig ist, hat der Staat gesetzlich festgelegt. Nur wenn das Finanzamt eine Stiftung als solche anerkennt, wird sie steuerlich begünstigt. Wie der Bundesverband mitteilt, unterliegen Stiftungen der doppelten Aufsicht – in Gegensatz zu anderen gemeinnützigen Rechtsformen, wie Vereinen. Neben dem Finanzamt prüft auch die Stiftungsaufsicht die Arbeit.  

Deutschland ist eines der stiftungsreichsten Länder Europas. Wie der Bundesverband Deutscher Stiftungen mitteilt, waren 2020 genau 23876 als rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts registriert. Allein in jenem Jahr registrierte der Verband 712 neue. In Hessen wurden 2020 insgesamt 177 Stiftungen gegründet. Damit kommt das Bundesland auf 2316 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts. Mit Darmstadt (152 Stiftungen auf 100000 Menschen) und Frankfurt (82 Stiftungen auf 100000 Menschen) befinden sich zwei hessische Städte unter den Top 4 der Liste der Großstädte mit der höchsten Stiftungsdichte. Darmstadt ist auf Platz 1 in Deutschland geklettert. Mit 37 Stiftungen pro 100000 Einwohnerinnen und Einwohner liegt Hessen deutlich über dem Durchschnitt der Bundesländer von 29 Stiftungen pro 100000 Einwohner.  

Das Kapital der Stiftungen aller Rechtsformen in Deutschland ist dem Bundesverband von 12768 Stiftungen bekannt und beläuft sich nach dessen Angaben auf 110 Milliarden Euro. Die Gesamtzahl der entsprechenden Einrichtungen in Deutschland ist jedoch um ein Vielfaches höher. Traditionell verfolgen Stiftungen vor allem gesellschaftliche Zwecke (51,8 Prozent) wie etwa die Entwicklung neuer Wohnformen für alte und bedürftige Menschen. Auch der Bereich Bildung und Erziehung (34,5 Prozent), ebenso wie der Bereich Kunst und Kultur (31,6 Prozent) werden häufig unterstützt. 60 Prozent der Stiftungen fördern dabei ausschließlich Personen oder Organisationen.  

Die Höhe der Gesamtausgaben variiert stark. Einrichtungen mit Ausgaben in Millionenhöhe sind laut Angaben des Bundesverbandes die Ausnahme. Nur gut zwölf Prozent der 1749 Stiftungen, von denen entsprechende Daten vorliegen, verfügen über Mittel in dieser Größenordnung. Dagegen investieren mehr als zwei Drittel jährlich unter 100000 Euro. Sogar 17 Prozent verausgaben weniger als 5000 Euro im Jahr.  

Nach Meinung des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen nimmt die Bedeutung privaten Stiftens und der Tätigkeit gemeinwohlorientierter Stiftungen angesichts wachsender gesellschaftlicher Aufgaben zu. „Das Wachstum des Stiftungssektors ist Ausdruck eines verstärkten privaten Engagements für die gegenwärtigen und zukünftigen Probleme des Gemeinwesens. Wichtige gesellschaftliche Aufgaben werden zunehmend durch Stiftungen angeregt und getragen“, meint der Bundesverband.  

Stiftungen helfen der Ukraine

In ganz Deutschland ist die Solidarität mit der Bevölkerung in der Ukraine groß. Auch zahlreiche Stiftungen bitten um Spenden und organisieren Hilfe für das vom Krieg getroffene Land. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen hat eine Liste erstellt, die auf der Internetseite ständig ergänzt wird.  Unter vielen anderen sind dort verzeichnet als Empfänger von Geldspenden:  

Care-for-Rare Allianz  

Die Care-for-Rare-Allianz will schwerstkranken Kindern aus der Ukraine helfen. Die Stiftung am Dr. von Haunerschen Kinderspital am LMU Klinikum engagiert sich gemeinsam mit der European Children’s Hospital Organisation für die Opfer der russischen Invasion.   

Csilla von Boeselager Stiftung Osteuropahilfe 

Seit über 20 Jahren ermöglicht die Stiftung mit örtlichen Projektpartnern in der Ukraine Armensuppenküchen und Kleiderkammern für Obdachlose. Die Standorte der Stiftung in der Ukraine, unter anderem in Lemberg, sind nun von den aktuellen politischen Entwicklungen betroffen.   

Don Bosco Mondo Stiftung  

Don Bosco Einrichtungen in der Ukraine bieten Kindern und Familien Schutz, versorgen insbesondere Mütter und ihre Familien auf der Flucht mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Medikamenten und mehr. Don Bosco Einrichtungen in Deutschland und Europa nehmen geflüchtete Menschen auf und versorgen sie. 

Kinderhilfswerk Stiftung Global-Care  

Seit Kriegsbeginn leistet das Team aus Fritzlar humanitäre Hilfe. Derzeit werden 100 Patenkinder von Global Care in der Ukraine betreut. Dabei kann das Kinderhilfswerk auf ein gutes Netzwerk an Helfern zurückgreifen.  

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Gruppentänze

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Gamification

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Gamification, das heißt, die Anwendung von Spieledesignprinzipien, Spieledesigndenken und Spielemechaniken auf spielfremde Anwendungen und Prozess, und das Spielen selbst sind wirksame Mittel, um Innovationen zu stimulieren sowie Unternehmergeist und Zusammenarbeit über verschiedene Ebenen und Organisationsgrenzen hinweg zu fördern.

Generationenvertrag

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Betrachtet man das Verhältnis der Generationen zueinander, so kann man feststellen, dass das Zusammenleben in jedweder Gemeinschaft, zumindest in vorindustrieller Zeit, stets von einem Miteinander und einer gewissen Fürsorge geprägt war.