VRM Wochenblätter

Vogelspinne ist nicht gleich Vogelspinne

Da die Haltung der Tiere verhältnismäßig einfach ist, werden sie als Terrarientiere immer beliebter

von Sabine Thoennes-Hofmann

Auch die Optik des Tieres spielt bei der Auswahl eine Rolle.
Foto: colombumbus/ stock.adobe.com

Acht lange, flinke Beine, ein fünf bis zehn Zentimeter großer, haariger Körper und zwei spitze Beißklauen, die aufblitzen, wenn sich das Tier zum Angriff aufrichtet: Dem ein oder anderen Arachnophobiker läuft wahrscheinlich schon bei der bloßen Beschreibung einer Vogelspinne ein kalter Schauer über den Rücken.

Schätzungsweise zehn Prozent der Menschen haben Angst vor Spinnen. Andere wiederum sind fasziniert von den gewaltigen Achtbeinern, ihrem fremdartigen Aussehen und ihrem interessanten Jagdverhalten. Da die Haltung von Vogelspinnen verhältnismäßig einfach ist, werden sie auch als Terrarientiere immer beliebter.

Vor dem Kauf umfangreich informieren

Was viele Laien nicht wissen: Vogelspinne ist nicht gleich Vogelspinne. „Es gibt rund tausend bekannte Arten dieser Spinnenfamilie, die sich in Größe, Aussehen und Verhalten unterscheiden.

Vor dem Kauf sollte man sich deshalb genau informieren“, sagt Roland Zobel von der Fördergemeinschaft Leben mit Heimtieren (FLH). „Natürlich spielt die Optik des Tiers bei der Auswahl eine Rolle. 

Aber wichtiger ist, dass man über dessen Bedürfnisse Bescheid weiß und das Terrarium entsprechend auswählen und einrichten kann. Denn ein Standard-Anfänger-Terrarium, das für alle Arten geeignet ist, gibt es nicht.“

Bezüglich ihrer Lebensweise werden Vogelspinnen in der Regel in Baum-, Boden- und Erdbewohner unterteilt. Baumbewohner sind am besten in einem hohen Terrarium mit vielen Ästen und Zweigen untergebracht. Vogelspinnen bauen zwar keine Netze, manche Arten spinnen sich hier aber ein Gespinst als Wohnhöhle. Die ursprünglich zumeist aus Afrika oder Asien stammenden Erdbewohner benötigen einen hohen Bodengrund, da sie sich senkrecht eingraben und unterirdische Höhlen anlegen, während die Bodenbewohner sich gern in Hohlräumen und Röhren verstecken. Ein Vogelspinnenterrarium sollte mindestens 30 Zentimeter hoch, breit und tief sein. Je größer es ist, desto angenehmer ist es für den Bewohner. Welche Anforderungen die ausgewählte Spinne darüber hinaus hat, lässt sich im Zoofachhandel erfragen. Hier bekommt man auch das nötige Zubehör und die passende Fachliteratur.

Vorsicht bei Angeboten im Internet: „Man sollte sich niemals ein neues Tier zulegen, das man nicht persönlich vorher in Augenschein genommen hat“, empfiehlt Zobel. „Damit keine Wildfänge unterstützt werden, ist es außerdem ratsam, beim Heimtierkauf Nachzuchten zu wählen.“

Obwohl die meisten Vogelspinnenarten acht Augen haben, sehen sie nicht gut. Beim Jagen ihrer Beute müssen sie sich auf ihren Tastsinn verlassen. Die unzähligen feinen Härchen an den Beinen sorgen dafür, dass sie jede noch so winzige Bewegung wahrnehmen und blitzschnell reagieren können. Im Prinzip können die Spinnen alles Lebendige fressen, was ihrer Größenordnung entspricht. In freier Natur stehen auch schon mal Mäuse und Jungvögel auf dem Speiseplan. Im Terrarium sollte sich das Futter allerdings auf proteinreiche Insekten wie Grillen, Heuschrecken und Schaben beschränken.

Ein- bis zweimal im Monat füttern ist ausreichend 

 Selbstgefangene Insekten sollte man den Terrarienbewohnern übrigens nicht anbieten, da unklar ist, wo diese vorher waren und was sie gefressen haben. „Vogelspinnen müssen nicht sehr oft gefüttert werden“, erklärt der FLH-Experte. „Je nach Art und Alter des Tieres, reichen ein bis zwei Fütterungen im Monat aus. Ob die Spinne genug gefressen hat, kann man an dem Verhältnis zwischen dem Abdomen – also dem Hinterleib – und ihrem Vorderkörper ablesen. Wenn der hintere Teil gleichgroß bis anderthalb Mal so groß wie der vordere ist, ist sie optimal genährt.“

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