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Tradition und Zukunft   

Lotsenmuseum öffnet wieder / Neues Konzept erarbeitet   

von Redaktion

Nochmal abrocken. Foto: Jehavo/AdobeStock

Ab dem heutigen Samstag, 8. April, öffnet das Lotsenmuseum. Foto: Sören Heim

Im Lotsenmuseum wurde im Winter 2022 viel geräumt. Zahlreiche alte Exponate wurden aussortiert und Platz für Neues geschaffen. Der Hintergrund: Das Lotsenmuseum und der das Museum betreibende Schifferverein 1895 stellen sich neu auf. „Wir möchten uns in Zukunft in erster Linie auf das Museum konzentrieren“, erklärt Schriftführer Jürgen Kirsten. „Zu diesem Zweck haben wir uns eine neue Satzung gegeben und den Verein personell verschlankt.“ Zugleich wurde nach zehn Jahren freier Nutzung endlich ein rechtssicherer Vertrag über das Museum mit der Stadt geschlossen und Oberbürgermeister Thomas Feser tritt fortan als Schirmherr des Vereins auf.

Am Samstag, 8. April wird das Museum wieder eröffnet. „Es geht um die Tradition ebenso wie um die Zukunft. Wir müssen uns neu aufstellen, um in Zukunft weiter die spannende Tradition der Rheinschifffahrt repräsentieren zu können“, sagt Kirsten. 

Zu diesem Zweck hat der Verein bereits viel Arbeit in das Museum gesteckt. Nicht nur der Innenraum wurde entrümpelt, sondern auch im Freien wurde das Museum bereits neu weiß grundiert. Eine Fläche für eine Tafel, die eine Panorama-Präsentation des Binger Lotsenreviers zeigt – von Lajos Herpay gestaltet – wurde ausgewiesen. Und am Fuß der dem Rhein zugewandten Mauer wurde eine Jahreszahl entdeckt, die das Baujahr des Gebäudes ausweist: 1948. „Wir feiern also auch 75 Jahre Binger Lotsenhaus.“ 

Denn das Lotsenmuseum war einst der Aufenthaltsort, von dem aus die Lotsen sich auf den Weg auf ihre Talfahrten machten. Oft stauten sich die Schiffe regelrecht, ehe dann ein Lotse den jeweiligen Kapitän bei der Navigation durch das schwer schiffbare Binger Loch unterstützte. Zurück kam man entweder per Anhalter oder mit dem Lotsenbus. Wer den Vereinsmitgliedern zuhört, erfährt viele spannende Geschichten aus dieser Zeit. 

Früher selbst aktive Lotsen 

Noch fünf Mitglieder waren selbst aktive Lotsen. Doch viele andere waren anderweitig als Binnenschiffer aktiv. Etwa der Vorsitzende Ferdinand Engelhart, der den Beruf bei der Bundeswehr gelernt hat, zwölf Jahre bei der Marine gedient hat und später dann bei der Bingen-Rüdesheimer als Fährkapitän aktiv war. „Knapp 50 Jahre habe ich auf diese Weise auf Schiffen verbracht“, sagt Engelhart. 

Die Vielfalt der Rheinschifffahrt zu feiern, die Menschen zusammenzubringen, die in der Binnenschifffahrt aktiv waren und sind, und rund um die Binnenschifffahrt zu informieren: Das war bisher der weit gefasste Vereinszweck des Schiffervereins. „Genau das haben wir nun stärker begrenzt“, sagt Engelhart. Anlass war ursprünglich eine sich über viele Jahre erstreckende Veruntreuung von Geldern aus der Vereinskasse durch ein Mitglied. „Das brachte uns dazu, neu über den Verein nachzudenken.“ 

Zugleich hatte sich der Verein der Tatsache zu stellen, dass die Mitglieder immer älter werden und ein Großteil der etwa 60 nicht im alltäglichen Betrieb aktiv ist. „Der verschlankte Verein umfasst nur noch 28 Mitglieder, die sich alle aktiv in den Betrieb des Lotsenmuseums einbringen“, so Engelhart. „Die anderen gut 30 sind nun Mitglieder eines Fördervereins, der uns unterstützen kann, und gemeinsame Aktivitäten und Ähnliches organisiert.“ 

Erklärzonen dominieren 

Moderner, zugänglicher, klarer strukturiert. Das sind die Ziele, die sich der Verein für das Lotsenmuseum gesetzt hat. Statt unzähligen Exponaten werden Erklärzonen das Innere des Museums dominieren, die in klarer Bildsprache die Geschichte der Rheinschifffahrt aufbereiten. Mittels QR-Codes können Gäste sich die Texte in alle Sprachen übersetzen lassen, die der Google-Übersetzer beherrscht. Zwei Bildschirme sollen in Endlosschleife kleine Filmschnipsel aus dem Alltag des Lotsengeschäfts zeigen. Herzstück der Arbeit bleibt der Kontakt zu den Schiffern. Stets zu den Öffnungszeiten ist ein Vereinsmitglied vor Ort, und steht Gästen gern Rede und Antwort. 

Doch die Schiffer wissen, dass sie etwas tun müssen, um auch in Zukunft relevant zu bleiben. „Auf eine Idee hat uns die Binger Skulpturen-Triennale gebracht. Ähnlich wie die Triennale, junge Menschen zu Kunstbotschaftern ausbildet, hoffen wir, Schülerinnen und Schüler zu gewinnen, die Touristen die Rheinschifffahrt näher bringen.“ So möchte der Verein die nächste Generation in seine Tätigkeit einbinden. „Denn die Geschichte der Rheinschifffahrt“, sagt Engelhart, „ist ungeheuer spannend. Und übrigens ist die Binnenschifffahrt alles andere als ein sterbender Beruf. Es handelt sich noch immer um eine interessante Ausbildung mit hoher beruflicher Sicherheit im Anschluss.“ 

geöffnet… 
… 8. April bis 3. Oktober, 
immer samstags, sonntags und 
an Feiertagen von 13 bis 17 Uhr. 

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